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Rathaus

Bezirksarchäologie lüftet Geheimnis um Vöhrumer Wasserburg

Existenz mittelalterlicher Anlage aus dem 12. Jahrhundert bewiesen

Im Peiner Ortsteil Vöhrum ist im 12. Jahrhundert eine Wasserburg entstanden. Den Beweis hierfür stellte Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde mit seinem Team am heutigen Mittwoch in Peine vor. Der Experte der Bezirksregierung Braunschweig: „Wir werden das Areal nun weiter untersuchen und hoffentlich Näheres über das Bauwerk und seine Geschichte heraus finden.“

Strukturen, die auf eine Festungsanlage an der Fuhse hindeuten, waren bei der Kartierung vorgefundener Pfahlkonstruktionen, bei Luftbildaufnahmen sowie zuletzt mittels geomagnetischer Untersuchungen zu Tage getreten. Letzte Sicherheit über die Existenz der mittelalterlichen Vöhrumer Burg lieferte eine Sondierung in aufgelassenen Maulwurfshaufen im Bereich einer vermuteten Mauer. Etwas unterhalb der Oberfläche tauchten ein Fundament, eine Scherbe aus der Zeit um 1200 und ein bronzener Zierstift auf. Nach der Untersuchung von Holzscheiben durch das Göttinger DELAG-Labor können die Archäologen das Entstehen der kleinen Burganlage nun auf die Zeit um 1180 datieren.

Michael Geschwinde nimmt an, dass im Zuge der Erbauung der Burg die mäandrierenden Arme des Flüsschens Fuhse kanalisiert und die Ufer mit einer Konstruktion aus Pfählen eingefasst wurden. So habe man inmitten der feuchten Wiesen geeigneten Baugrund gewinnen können. Die Tragfähigkeit dieser künstlichen Insel habe man durch zusätzlichen Bodenauftrag erreichen können. „Den Untergang der Burg können wir zeitlich noch nicht einordnen“, so Geschwinde. „Wir vermuten aber, dass sie nicht sehr lange bestanden hat, weil scheinbar keine schriftlichen Überlieferungen vorliegen.“ Abgesehen von einem einschlägigen Eintrag in einer Flurkarte von 1785 habe man in historischen Aufzeichnungen keine Hinweise auf die Wasserburg gefunden.

Mit Hilfe geomagnetischer Untersuchungen konnte ein detailliertes Bild der Burganlage gewonnen werden. Erkundungsergebnisse der Firma Schweitzer aus Großburgwedel zeigen eine trapezförmige, mauerartige Struktur, die von einem breiten Graben umgeben ist. Im Zentrum des Trapezes ist ein großer quadratischer Körper erkennbar, bei dem es sich nach Vermutung des Bezirksarchäologen um die Reste eines Turmes handelt. Die auf der Westseite des Trapezes vorgefundene rechteckige Struktur könnte seines Erachtens eine Toranlage gewesen sein. Nach Westen schloss sich laut Geschwinde möglicherweise eine Vorburg an den Graben an.

Ins Rollen kamen die Untersuchungen des Areals bereits 1976. Damals fand ein Vöhrumer Landwirt an einem toten Flussarm der Fuhse mehrere mächtige Eichenpfähle im Boden. Der Gedanke an die zunächst vermuteten alten Weideeinfassungen wurde verworfen, da die Pfähle mehrere Meter lang waren. Die rätselhafte Entdeckung rief die archäologische Denkmalpflege auf den Plan. Deren Interesse nährten auch wiederholte Funde mittelalterlicher Scherben im fraglichen Gebiet.

Die Untersuchungen der zunächst mysteriösen Funde in der Fuhseniederung waren immer wieder auf Schwierigkeiten gestoßen und gingen daher mit langen Pausen voran. Bis 1980 waren in dem zwischenzeitlich von der Stadt Peine erworbenen und als Kulturdenkmal ausgewiesenen Areal insgesamt 212 Pfähle im Boden kartiert. Der jüngst geglückte Versuch, das genaue Fälldatum mit Hilfe der so genannten Dendrochronologie zu bestimmen, war seinerzeit noch erfolglos geblieben. Ausgrabungen scheiterten an hohen Kosten und verboten sich später, weil das Areal inzwischen Naturschutzgebiet geworden war. Der Versuch geoelektrischer Messungen in 2001 und 2002 misslang angesichts zu feuchter Witterung. Erst durch den konzentrierten Einsatz verschiedener moderner Prospektionstechniken gelang es jetzt, das Geheimnis der Wasserburg zu entschlüsseln.

Text: Bezirksregierung Braunschweig, Pressestelle

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