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Eulenpfad

Neues Archiv-Sonderblatt erschienen

16.11.2018

"Liederlicher Lebenswandel und wilde Ehe“ im 19. Jahrhundert...

Im 19. Jahrhundert waren die Grenzen von Sitte und Moral eng gesteckt. Hatte im ausgehenden Mittelalter und noch im 16. Jahrhundert weitgehende Unbefangenheit gegenüber menschlicher Sexualität geherrscht, änderte sich die Situation bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts grundlegend. Der Bevölkerung wurde eine konfessionalistisch verengte Moral aufgezwungen – mit Langzeitfolgen bis weit in das 20. Jahrhundert: Noch in den 1970er Jahren haftete dem Zusammenleben in „wilder Ehe“ ein Makel an. Ein Status, der vor rund 150 Jahren drastische Strafen nach sich zog.

Am 12. Februar 1844 startete in Peine eine nächtliche Polizeiaktion, welche die Verhaftung von sechs Personen „wegen wilder Ehe“ nach sich zog. Im „Protokoll Nr. 17“ heißt es: „Nachdem der hiesigen Sektion zur Kunde gekommen, daß einige Gesellen in wilder Ehe mit ihren Bräuten dahier lebten, weshalb sie Wochen lang aus der Arbeit blieben, so begaben wir uns mit dem Polizeidiener Brunau in verwichener Nacht in hiesiger Stadt auf Vigilenz [= Fahndung] und trafen: 1. den Schustergesellen Martin Utgenannt bei der unverehelichten Johanne Kniep im Bette liegend [...]“ und in gleicher Situation an anderen Orten fünf weitere illegal vereinte Paare. Die männlichen Personen wurden ohne Umschweife „arretiert und in hiesigem Stadtgefängnis abgeliefert“ und am nächsten Tag „mit einer Warnung entlassen.“

Bürgermeister Groschupf versah den Bericht allerdings mit einer Notiz: „dem Pol[izei]. d[iener]. Brunau ist bedeutet, das Verfahren erscheine nicht völlig gesetzmäßig.“ Was nicht hieß, dass man den Frauen nun nachsichtiger begegnet wäre. Eher im Gegenteil. Sie wurden zur Vernehmung ins Rathaus geladen und gestanden – ausgenommen Johanne Kniep, die ihr Glück mit einer Ausrede versuchte: „Utgenannt habe zwar in ihrem Bett gelegen, „sie habe aber angezogen vor dem Bette geschlafen.“ Natürlich half ihr das nichts. Wie die übrigen wurde sie „zu 24 Stunden Gefängnis bei Wasser und Brodt und in die Untersuchungskosten verurtheilt.“

Aufschlussreiche Details über weitere Polizeiaktionen sind nachzulesen im aktuellen Sonderblatt des Stadtarchivs, das ab sofort in folgenden Einrichtungen kostenlos erhältlich ist:

Stadtarchiv, Stadtbücherei, Rathaus (Bürgerbüro), Kreismuseum

Marktplatz 1859 - Colorstich
Marktplatz 1859 - Colorstich
© Stadt Peine – Der Bürgermeister