Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen
Eulenpfad

Die Peiner Stadtmusikanten

29.06.2022

Die Peiner Stadtmusikanten - Neues Archiv-Sonderblatt Nr. 1/2022

Das Stadtarchiv Peine veröffentlicht zum „Fest der Feste“ in unserer Heimatstadt sein Archiv-Sonderblatt Nr. 1/2022. Im Mittelpunkt stehen die „Die Peiner Stadtmusikanten“. Erster namentlich bekannter Amtsinhaber war der vor 315 Jahren (1707) verstorbene Johann Jürgen Adenstedt.

„Anders als im bekannten Märchen der Gebrüder Grimm handelt es sich bei den Peiner Stadtmusikanten jedoch um Musikunternehmer mit besonderen, von Bürgermeister und Rat verbrieften Vorrechten“, so Stadtarchivar Dr. Andreas Kulhawy. Die Peiner Verhältnisse ähnelten damit jenen in vielen anderen deutschen Orten, beispielsweise auch in Braunschweig. „Lediglich die Qualität der Darbietungen erinnerte die alten Peiner offenbar in einigen Fällen an die Tierlaute im Märchen und führte zu entsprechenden Beschwerden“, so Kulhawy weiter.

Die Rechte und Pflichten der Stadtmusikanten waren durch einige wenige Regelungen scheinbar klar umrissen: Für den Erhalt einer Art Monopolstellung in der musikalischen Grundversorgung der Peiner Bevölkerung mussten sie einen vor Amtsantritt vertraglich festgesetzten Geldbetrag in die Stadtkasse zahlen. Die Höhe der Zahlung war abhängig vom Verhandlungsgeschick des Stadtmusikanten vor seiner Amtseinsetzung. Ferner mussten sie den Rat der Stadt bei offiziellen Anlässen musikalisch begleiten und sie waren verpflichtet, für die Gottesdienste der Jakobigemeinde bereit zu stehen.

Im Gegenzug erhielten die Stadtmusikanten geringe Zahlungen aus den Kassen der Jakobigemeinde, der ehemaligen Georgskapelle auf dem alten Friedhof sowie – aus der Stadtkasse! Bedeutsamer war das alleinige Recht, bei Hochzeiten, Festlichkeiten aller Art sowie in Gaststätten die musikalischen Darbietungen zu besorgen. Wollte ein anderer Spielmann in Peine auftreten oder aber ein Bürger ihn beschäftigen, musste er den privilegierten Stadtmusikanten um Erlaubnis bitten und im Zweifel eine Gebühr entrichten. Außerdem durften die Stadtmusikanten zu Neujahr durch die Stadt ziehen, den Bürgern aufspielen und als „Dank“ offenbar namhafte Trinkgelder einheimsen.

Freischießen, die Jahrmärkte sowie das katholische Fronleichnamsfest, mit dem sich traditionell der Termin des Schützenfestes der Dammvorstadt verband, waren von den Privilegien der Stadtmusikanten ausgeschlossen. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Feste war für Peine zu groß, als dass man sich allein auf die geringen personellen Möglichkeiten der ortsansässigen Musikunternehmer verlassen wollte. Bei diesen Gelegenheiten waren sie lediglich Begleiter des Rates und konnten mit ihren Gesellen den Schützen „Musikchöre“ anbieten. „Ausländer“, also etwa Bewohner des Herzogtums Braunschweig oder des Kurfürstentums Hannover, wurden zu Freischießen dagegen nur zugelassen, wenn sie für einen einheimischen „Musikpächter“ tätig waren. Streit um die Zulässigkeit der Auftritte auswärtiger Spielleute war so vorprogrammiert.

Weitere aufschlussreiche Details sind nachzulesen im aktuellen Sonderblatt des Stadtarchivs, das ab sofort in folgenden Einrichtungen kostenlos erhältlich ist:

Stadtarchiv / Stadtbücherei /Peine Marketing / Rathaus / Kreismuseum

Einen Link zum Download des Archiv-Sonderblattes 1/2022 finden Sie unter dem Foto.

Bestallung Christoph Daniel Seidler 1711
© Stadt Peine – Der Bürgermeister